ALVARO | UNVERGESSEN
 
Es kam so plötzlich, eigentlich warst du ja schon überm Berg, und wir dachten, wir müssten nicht mehr so genau nach dir schauen, weil du ja wieder fit warst. Dass du schon dabei warst etwas anderes auszubrüten, daran dachte keiner. Du hast es uns auch nicht leicht gemacht, auch deine letzte Pflegestelle hat es nicht geschafft dir das Vertrauen in die Menschen wieder zu geben. Und dann wieder Käfig, mit dem Netz gefangen werden, Behandlungen, komisches Futter, Spritzen, Tabletten…. Wie solltest du wissen, dass es nur zu deinem Besten war? Anfassen ging nie, wer weiß schon, was du mit Sarastro, Poppeia, Oberon und Titania hast erleben müssen, dort in dem Haus, wo noch so viele mehr von euch hausen mussten unter erbärmlichen Bedingungen. Sarastro ist dir vorangegangen über die Regenbogenbrücke, du wirst nicht alleine sein, dort, wo niemand von uns hin kann und niemand euch mehr wehtun kann.

Dennoch bleibt der Vorwurf, hätten wir es früher sehen müssen? Wärst du noch am Leben, wenn nicht so viele Katzen bei uns sitzen würden, die alle Hilfe brauchen, die alle versorgt werden wollen, die alle morgens schreien nach Futter und Liebe? Wärst du noch am Leben, wenn Entscheidungen anders getroffen werden könnten als nur nach den Notwendigkeiten des Platzmangels und des unaufhörlichen Flusses nicht mehr gewollter Katzen?

Wie gehen wir mit euch um, die ihr nicht angefasst werden wollt, die ihr uns immer anschaut mit euren panischen Augen und diesem „lass mich in Ruh“ Blick. Niemals draußen gewesen, kann man euch nicht einfach vor die Türe setzen, das Leben draußen wird euch genauso viel Angst machen wie das Leben mit uns Menschen. Man hätte es versuchen können, aber, das wäre eine Entscheidung für immer gewesen. Und wer will die treffen….Es haben viele von uns versucht zu euch durchzudringen, immer vergebens. Vielleicht dürfen wenigstens Poppeia und Oberon erleben, wie schön es sein kann, mit Menschen, die sie lieben und die sie dennoch Katze sein lassen, leben zu dürfen.

Es bleibt die Hoffnung, dass wir nun, da wir dich unter so traurigen Umständen verloren haben, noch mehr geben als wir ohnehin schon geben, noch mehr schauen, als wir ohnehin schon schauen, noch mehr abwägen, als wir ohnehin schon abwägen, und es bleibt die Hoffnung, dass wir irgendwann nicht mehr alleine damit sind, dass andere helfen und die Last mit uns tragen.


 
 
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