FREDDY | UNVERGESSEN
 

Freddy lebte vom 07.05.2007 bis 06.12.2007 im Tierheim (Dank an Frau Becker, die die Daten herausgesucht hat).

Er war im sicher schon zweistelligen Alter an einem Gartenzaun angebunden und dort verlassen worden, kam also als Fundhund ins Tierheim. Wie man auf den Fotos sieht hätte er sicher keinen Schönheitspreis mehr gewonnen (vermutet Staff-Boxer-Mix), aber sein dunkelbraun-gestromtes kurzes Fell leuchtete in der Sonne wie schönes altes lasiertes Holz.

Charakterlich war er ein ganz lieber Kerl, etwas phlegmatisch, größere Emotionen waren nicht sein Fall. Spazierengehen tat er noch sehr gerne und auch etwas größere Strecken (Schoeneck, Schanzenberg) allerdings ganz klar mit einer Ausnahme: Wenn es regnete! Dann mußte ich ihn x-mal aus seinem Innenzwinger rufen bis er kam. Erwischte uns der Regen unterwegs, versuchte er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln mich zum Umkehren zu bewegen. Und dazu noch dieser traurige Blick "warum tust Du mir das an?".

Umso überraschter war ich, als ich nach einiger Zeit sein Hobby herausfand: Stöckchen bzw. Knüppel aus dem Weiher holen. Da drehte der doch so regenwasserscheue Kerl richtig auf und konnte nicht genug davon bekommen. Ich habe also eine knatsch-rote (sieht man unter Wasser besser) 15 Meter lange Schleppleine käuflich erworben, dann habe ich auf dem Spaziergang so 4-5 Knüppel (Unterarmlänge und mehrere Zentimeter dick) aufgesammelt und mit mir getragen (von ihm schon mit Vorfreude betrachtet), am Dienstadter Weiher Leinentausch und los gings. Ich habe oben von der inzwischen kaputten Bank aus die Knüppel in hohem Bogen bis fast in die Mitte des Weihers geworfen (es jedenfalls versucht, ich bin ein saumäßiger Werfer!), Freddy raste den Abhang runter, machte einen Riesen-Platsch-Satz ins Wasser, schwamm zu dem Knüppel, brachte mir ihn wieder mit der Aufforderung "gleich nochmal !!!". Das ging manchmal bis zu einer halben Stunde so weiter, bis mir der Arm weh tat oder wir aufgrund meiner schlechten Werftechnik (Holz ins Schilf) oder Materialermüdung (Knüppel kaputt) keine Munition mehr hatten.

Da Freddy so zurückhaltend war (außer beim Schwimmen) und sich oft im Innenzwinger aufhielt konnte er leider keinen Interessenten mehr für sich begeistern. Er hatte am Hals an der linken Seite einen Tumor, der sich langsam aber stetig vergrößerte. So kam es, daß er zum Winter zu immer dünner wurde, die Nase oft verschleimt war und er schließlich wohl auch Luftprobleme bekam. Laut Tierarzt war ihm nicht mehr zu helfen, es blieb nur das Einschläfern. Da an diesem Tag das Tierheimauto in Reparatur war habe ich ihn selbst in die Tierklinik Elversberg gebracht und blieb bis zu seinem Ende bei ihm.
Ich hätte ihm so sehr noch ein neues Zuhause gewünscht !!! Aber wenigstens habe ich ihm mit unseren täglichen Spaziergängen noch ein möglichst angenehmes Tierheim-Leben bereitet. Wo er eigentlich wirklich herstammte ist - wie wohl meistens - nicht herausgekommen.
(Monika Heik, Betreuerin von Freddy)


 
 
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