BLACKY | UNVERGESSEN
 
Können Sie sich vorstellen, was es für einen jungen Hund heißt, 12 lange Jahre im Tierheim auf ein Zuhause warten zu müssen? Ich denke nicht, denn auch ich traue mich nicht darüber nachzudenken. Ein Tierheim soll meines Erachtens in der Regel nur eine Zwischenstation im Leben eines jeden Tieres sein, um die Möglichkeit zu haben ein neues und glückliches Zuhause zu finden. Natürlich ist die Zeit dieser Zwischenstation nicht immer vorher zu bestimmen. Somit wartete Blacky fast zwölf lange Jahre im Tierheim Saarbrücken auf ein neues Zuhause. Er kam als Junghund ins Tierheim und kam aus einer Vermittlung zurück, in welcher er nach Angaben der Interessenten, deren jungen Sohn gebissen haben soll. Blacky kam zurück und hatte es somit als verhaltensauffälliger Hund nicht leicht im Tierheim. Viele haben Angst mit einem solchen Hund spazieren zu gehen und auch eine Vermittlung in ein kinderloses Zuhause ist nicht einfach.

Aber auch Blacky war von den Menschen enttäuscht. Als er wieder in das Tierheim zurückkam, war er unsicher gegenüber jedem, der nach ihm schaute während er hinter Gittern wartete. Wartete auf was? Er wartete wohl darauf, dass er jemandens Herz erobert, der sich die Mühe macht, ihn kennen zu lernen und ihm zeigt, wie sich ein gemeinsames Zuhause anfühlt. Warten... fast 12 lange Jahre warten. In neun von zwölf Jahren wurde Blacky von wenigen ehrenamtlichen Gassigehern betreut, die ihm jedoch liebevolle, große Spaziergänge schenkten, auf denen seine Nase alles mögliche erschnuppert und entdecken könnte. Natürlich ersetzen diese Spaziergänge kein Zuhause, aber sie machen das Warten leichter, das lange warten auf ein Zuhause...

Als im Mai 2006 die Hundeschule "Mein Partner Hund" mit Hundetrainerinnen Sabine L. Schäfer Diesterhöft und Claudia Klär im Tierheim anfingen, Hundeschule mit vielen von Blacky´s Leidgenossen zu machen, hat Sabine "Blacky" entdeckt und "Reklame" für ihn in ihrer Hundeschule gemacht. Und trotzdem blieb es schwer, Interesse für einen solch alten Knaben, der Fremden gegenüber sehr misstrauisch war, zu wecken. Sabine war unermüdlich und nahm sich dem alten Knaben an. Sie ging ebenfalls mit ihm spazieren und begeisterte noch weitere ehrenamtliche Gassigeher mit Blacky auch außerhalb der Hundeschule einen gemeinsamen Spaziergang zu machen.

So freundete auch ich mich mit diesem schüchternen, zurückhaltenden und alten Knaben an. Ich verlor mein Herz an ihn, denn diese mir nie vergessenen schönen und warmen Augen, schauten mich immer so hoffnungsvoll an. Er hat all die Jahre glaube ich nie daran gezweifelt immer noch ein Zuhause zu finden. Er hat gekämpft, so auf seine ganz eigene Art und Weise.

2007 verlor ich meinen Zweithund Charly (auch aus dem Tierheim Saarbrücken) ganz plötzlich und unerwartet.

Als Blacky 2007 dem Tierarzt vorgestellt werden musste, da die Zähne eines solch rüstigen Rentners auch nicht mehr die besten waren, zog Blacky bei uns ein. Mein Partner und ich lebten 2007 mit Joy und Blacky in Saarbrücken. Blacky´s Zähne wurden saniert, die Ohrenentzündungen behoben und viele seiner Talgknoten gesäubert.

Ich wollte unbedingt wieder einen Zweithund haben, denn meine Hündin Joy ist auch eine "spezielle Raufersorte" der es sehr gut getan hat, einen Artgenossen in ihrem Zuhause zu haben. Sie hat viel gelernt dadurch. Aber wer kommt schon zum Einzug bei uns und bei der zickigen Hundedame Joy in Frage? Ja, Blacky sollte es sein. Ein ruhiger und souverainer Rüde der es endlich nach so vielen Jahren Tierheim verdient hat, ein Zuhaues zu finden. Gerne wollten wir Blacky danach ein neues Zuhause schenken.

Aber Blacky hat sich sehr an mich gebunden als wir immer auf gemeinsamen Spazierwegen um das Tierheim Freundschaft geschlossen hatten. Er wollte meinen Lebensgefährten einfach nicht Zuhause dulden. Schweren Herzens mussten wir uns von ihm trennen und ihn nach seiner Genesung ins Tierheim zurück bringen. Mir brach das Herz.

Oft, und manches Mal, in diesem Fall zum Glück eines Hundes, trennen sich Menschen wieder und so zogen Joy und ich nach Ottweiler in ein neues Zuhause. Da ich Blacky natürlich nicht vergessen habe, ihn selbstverständlich auch weiterhin im Tierheim mitbetreut habe, wollte ich es jetzt unbedingt wieder probieren. Wo kein Zweit Mensch da auch kein Blacky Problem hab ich mir gedacht. Falsch gedacht. Heute muss ich darüber lachen, denn der alte Knabe ist im letzten Sommer aufgeblüht wie ein junger Hund und hat es mir und Joy zu Hause nicht leicht gemacht. Er hat sein Zuhause so schätzen und lieben gelernt, dass der Senior alles in der Wohnung schützen wollte, insbesondere mich. Auch vor meiner Hündin Joy. Natürlich wollte dies die zickige Hundedame nicht so einfach hinnehmen, jetzt plötzlich nur noch vom Senior kommandiert zu werden und hinten anzustehen. Wir hatten viele herzliche Meinungsverschiedenheiten zu Hause. Und dann hat es doch geklappt. Wir sind einfach irgendwann ein Team geworden, welches einfach keinen Besuch mehr brauchte ;o) Besucher waren bei unserem Trio nicht mehr so erwünscht, denn Blacky wollte diese bis auf den letzten Tag in SEINEM Zuhause nicht dulden, aber nur, weil er seine Lieben so sehr schützen wollte. Schützen vor allen Menschen, weil seine Familie ihm so wichtig war. Aber was tut man nicht alles um glücklich zu sein. Besuchen könnten Joy und ich auch unsere Freunde, der Senior genoss seine ruhige Zeit zu Hause, und wir sind alle glücklich gewesen.

Glücklich bis zu dieser einen Nacht. Die Nacht zum 17. April 2010. Es war früh morgens gegen drei Uhr ungefähr. Ich wurde von Geräuschen wach, die ich nicht zuordnen konnte. Der Schreck sitzt mir noch heute in den Knochen, wenn ich das mal so sagen darf. Die Geräusche... ja das waren schwere Atemgeräusche und ich schaute direkt nach meinem Senior. Er lag brav und ruhig in seinem Körbchen und schaute mich mit seinen treuen Augen an. Er war ganz ruhig. Er wollte aber nicht aufstehen. Ich hab mich zu ihm gelegt und ihn gestreichelt. Der Atem wurde wieder etwas ruhiger. Stunden später konnte ich Blacky endlich dazu bewegen aufzustehen. Wir fuhren natürlich direkt zum Tierarzt. Der Senior wollte sich trotz inzwischen vieler routinemäßiger Arztbesuche, die ihn in seiner Zeit bei mir zu einem angenehmen Patienten machten, nicht wirklich untersuchen lassen. Wasser in der Lunge konnte nicht festgestellt werden. ich war erstmal beruhigt. Eine Entzündung? Oder was konnte es sonst sein? Medikamente für den Patienten und wir fuhren nach Hause. Der Senior machte einen Mini Spaziergang, was ja überhaupt nicht seine Art als doch rüstiger Rentner war. Danach wollte Blacky nur noch in sein Körbchen. Ich ließ ihn sich ausruhen. Aber die Atmung wollte einfach nicht besser werden, im Gegenteil. Sie wurde immer schwerer. Leider musste der liebe Schatz wieder mit mir zum Tierarzt. Zum Notdienst!! In der Klinik angekommen, gab es nach dem unauffälligen Röntgen eigentlich nur noch eine Möglichkeit. Altersbedingte Kehlkopflähmung. Hier ist eine Behandlung auch noch möglich. Aber zur Untersuchung muss der Hund in Narkose gelegt werden. Bei einem Senior mit schlechter Atmung eine Narkose zu riskieren, fiel mir besonders schwer. Aber was will man sonst unternehmen, wenn der Hund zunehmend immer schlechter Luft bekommt? Man hat keine andere Wahl. Er schlief ein und die Ärztin untersuchte Blacky. Es war keine Kehlkopflähmung. Im Rachenraum, direkt vor der Speiseröhre sah man endloses Tumorgewebe. Mich hat der Schlag getroffen! Da ist man glücklich im Zuhause mit seinen Lieben, der Senior hat nach so vielen langen Jahren dort sein Leben gefunden, und verliert es schon nach einem dreiviertel Jahr. Und ja, Ihnen wird ein Stück des Herzens aus der Brust gerissen, denn dieser Verlust ist bitter und tut unendlich weh. Blacky wurde nicht mehr wach und durfte friedlich einschlafen.

Natürlich werden jetzt viele sagen, dass man sich dessen bewusst sein muss, wenn man einem Senioren ein neues Zuhause schenkt, dass man mit dem Tod schneller konfrontiert wird als bei einem Junghund. Das ist richtig! Klar! Blacky hat eine große Lücke in unserem Leben hinterlassen. Allerdings möchte ich hier von ganzem Herzen sprechen und jedem mitteilen, dass der Verlust von Blacky und der Schmerz ihn gehen zu lassen auch heute noch unendlich ist. Ein halbes Jahr später heilt diese Wunde nicht. Aber ich möchte diese gemeinsame Zeit nie missen müssen, auch nicht wenn der Verlust noch so schmerzt. Die gemeinsamen glücklichen Stunden, Blacky zufrieden in seinem Körbchen in SEINEM Zuhause liegen zu sehen. Die Momente in denen er mich zum Lachen und zur Weisglut gebracht hat, wenn er im Team mit der Zicke Joy die Äpfel und das Brot aus der Küche geklaut hat, während ich mir nur die Schuhe für den Spaziergang anzog! Die gemeinsamen Spaziergänge im Sommer am Wasser, im Herbst wenn er den Blättern beim Fliegen zugeschaut hat und wie ein junger Hund nachgehopst ist. Im Schnee, während seine Nase weiß vom immer noch neugierigem Schnuppern war. Ich möchte nicht missen, dass ich ihm bei Tierarztbesuchen endlich nach langem Üben, zur Seite stehen durfte. Ich habe Blacky gezeigt, dass auch er ein Zuhause verdient und uns sehr glücklich gemacht hat. Er war mit seinem Wesen und seinen Charakterstärken und schwächen ein ganz toller Hund, hat zu uns gepasst, und hat mir "meinen Traum", ihm ein Zuhause schenken zu dürfen, erfüllt.


 
 
© 2004-2007 Tierschutzverein 1924 e.V. Saarbrücken und Umgebung