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30.06.04 - Nach mehr als 67
Stunden – Italien sehen und sterben. An den Höllenfahrten der
Schlachttiere hat sich bis heute nichts geändert. Daran erinnert der 1.
Juli – der Tag der Tiertransporte.
Auch am 1. Juli, dem Tag der Tiertransporte, werden
ca. 1 Million Tiere quer durch Europa und weiter transportiert werden.
Erst im April waren nach einem Jahr Diskussion die Verhandlungen der
europäischen Agrarminister um neue Bestimmungen zum Schutz der Tiere
beim Transport gescheitert – und mit ihnen die Chance, die Situation
der Tiere auf den Straßen Europas endlich zu verbessern. Nun droht es
um das brisante Thema wieder ruhig zu werden.
Ausgeschlagene Augen, gebrochene Beine und blutig
gescheuerte Körper – das ist der grausame Alltag der Tiertransporte.
Rund 360 Millionen Tiere durchleiden diese Höllenqual Jahr für Jahr
auf Europas Straßen. Vielfach werden sie über Tage hinweg vom einen
Ende Europas ans andere gekarrt, anstatt vor Ort geschlachtet zu werden,
bloß damit die Agrarindustrie ein paar Cent mehr Profit pro
Schlachttier einstreicht. „Die Szenen, die sich auf den
Tiertransportern abspielen, gleichen Horrorszenarien“, beschreibt
Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Die
bestehenden Richtlinien zum Schutz der Tiere greifen eindeutig zu kurz.
Außerdem fehlen effiziente Kontrollen, um die Einhaltung dieser
Richtlinien zu prüfen und zu garantieren. Bei grenzüberschreitenden
Transporten ist es besonders gravierend. Hier kann kaum noch
nachvollzogen werden, wie lange die Tiere schon unterwegs sind,
eingepfercht, verletzt, ohne Wasser, bei drückender Hitze. Transporte
lebender Rinder in Drittländer werden auch noch durch Subventionen
belohnt – einzige Vorraussetzung ist, dass die Tiere halbwegs lebend
an ihrer Schlachtstätte eintreffen. Wir brauchen dringend striktere
Vorschriften zum Schutz der Tiere und die entsprechenden
Kontrollinstanzen, damit die Bestimmungen eingehalten werden.“
Das jetzt vom EU-Rat unterzeichnete „Europäische
Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen
Transport“ bezeichnet Apel als Augenwischerei: „Hier wird den Bürgern
vorgegaukelt, dass die EU nun doch noch Verbesserungen für die Tiere
festgeschrieben hat. Nichts dergleichen jedoch ist mit der
Unterzeichnung dieses Übereinkommens geschehen, das zudem noch lange
nicht in Kraft treten wird.“ Die ursprüngliche Fassung des Übereinkommens
ist aus dem Jahr 1968. Doch auch die überarbeitete Version bringt wenig
Verbesserungen mangels konkret bindender Vorgaben. Vage Richtmaße und
Empfehlungen wie z. B. der Aufruf, die Tiere verstärkt in den
Herkunftsländern zu schlachten, sind charakteristisch für das Übereinkommen,
das die Beteiligten kaum an Details festnagelt. „Hier wird ganz
geschickt Politik gemacht“ kommentiert Wolfgang Apel. „Läge der EU
wirklich soviel an dem Schutz der Tiere, wie sie die Unterzeichnung begründete,
hätte sie bei ihren eigenen Verhandlungen eine für ihre
Mitgliedsstaaten verbindliche und strikte Verordnung verabschiedet und wäre
nicht gescheitert.“
Es muss also noch viel passieren, damit ein
ausreichender Schutz der Tiere beim Transport gewährleistet ist. Umso
wichtiger ist es, dass die Grausamkeiten, die den Tieren bei den
unsinnig langen Transporten widerfahren, im Bewusstsein bleiben. Daran
erinnert der Tag der Tiertransporte am 1. Juli.
[Quelle:
Deutscher Tierschutzbund | Pressemeldungen
Juni 2004: http://www.tierschutzbund.de/00446.html]
Aktion:
Stoppt sinnlose Tiertransporte
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