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"Werbe-Fabry" mit Riesen-Werbeaktion!
[Saarbrücker Zeitung vom 22.09.2001]

"Spektakulärer Hilferuf auf schreiendem Gelb"

Ingrid Weber, die Vorsitzende des Saarbrücker Tierschutzvereins, strahlt, wie jemand, dem unerwartet ein Herzenswunsch in Erfüllung geht. Und das ist in der Tat der Fall. Die Leiterin des Bertha-Bruch Tierheimes, die letztes Jahr für ihren unermüdlichen Einsatz mit der Bundesverdienstmedaille aus-gezeichnet wurde, bekommt ungewöhnliche Unterstützung. Das Saarbrücker Unternehmen "Werbe-Fabry" finanziert und organisiert den größten Spendenaufruf in der Geschichte von Webers Verein. Gestern wurden die ersten 200 von insgesamt 400 Plakaten angebracht. 

Unter dem Slogan "Wir brauchen Dich" soll ein trauriges Duo, Hund und Katze, vor gelbem Hintergrund die Passanten zum Griff in die Brieftasche animieren. Auch die Paradestücke unter den Werbeträgern der Güdinger Agentur, die Solar-Plakatsäulen an den zentralsten Punkten Saarbrückens, werden mit diesen Postern bestückt. Hinter so viel Einsatz für unsere vierbeinigen Freunde steht natürlich eine persönliche Geschichte: die von Maria Schreier. Sie feiert dieses Jahr ihren 76. Geburtstag und leitet seit 1970 die Werbeagentur. Schon lange unterstützt sie - neben anderen wohltätigen Organisationen - auch den Saarbrücker Tierschutzverein.

Vor kurzem beschloss Schreier, mit Firmenmaterial und auf eigene Kosten, eine größere Aktion für einen guten Zweck anzuleiern. Ein Kollege erinnerte sie ans Tierheim, und die Chefin war sofort begeistert: "Das ist mir ja eigentlich wie auf den Leib geschnitten." Als Schreier jung verheiratet war - "so etwa 1950" - brachte ihr Mann eines Tages ein flauschiges, kleines Bündel mit nach Hause und deponierte es vorsichtig auf dem Küchenboden. "Als sich das Bündelchen plötzlich bewegte, hab´ ich fast erschrocken gerufen: Ei, das ist ja ein Hund", erinnerte sich Schreier. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seither ist sie nie mehr ohne Hund gewesen. Ihr aktueller vierbeiniger Gefährte heißt Felix. Er steht seinem Frauchen bereits seit zehn Jahren treu zur Seite. Die Chefin ist sicher, dass sie ihren vierbeinigen Freunden nicht nur viele glückliche Stunden, sondern auch ein Gutteil ihrer Gesundheit verdankt: "Schließlich habe ich mir mit den Hunden fast den ganzen Saarbrücker Wald erwandert."

Schreier hält Plakate für ein sehr wirksames Werbemittel und hofft, dass sich künftig auch andere Betriebe für das Tierheim engagieren. Um "schon mal ein Grundstock zu legen", folgt Maria Schreier als Erste ihrem Spendenaufruf und überweist 10 000 DM. Für Ingrid Weber ist das wie "Weihnachten mitten im September". Sie habe "noch nie so ein schönes Geschenk für das Tierheim" entgegen genommen. Das Asyl für heimatlose und gequälte Tiere kann jeden Pfennig gut gebrauchen. Allein für Medikamente und ärztliche Betreuung der Heimbewohner waren letztes Jahr 112 000 Mark fällig. 31 000 Mark kostet es die hungrigen Mäuler zu stopfen und 21 000 Mark die streunenden Katzen zu kastrieren. So läppert sich fast ein halbe Million Mark zusammen. Und die ehrenamtlichen Helfer arbeiten jedes Jahr rund 20 000 Stunden für die Tiere. Die Stadt Saarbrücken bezuschusste das Bertha-Bruch-Heim im Jahr 2000 mit 79 000 Mark. Die Beiträge aller übrigen Stadtverbandsgemeinden plus der Hilfe aus St. Ingbert machen zusammen knapp 8 000 Mark aus. Auch Ingrid Weber arbeitet natürlich rein ehrenamtlich für das Tierheim - etwa 50 Stunden pro Woche.

Serge Gadatsch (SZ)

 

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