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"Spektakulärer
Hilferuf auf schreiendem Gelb"
Ingrid
Weber, die Vorsitzende des Saarbrücker Tierschutzvereins, strahlt, wie
jemand, dem unerwartet ein Herzenswunsch in Erfüllung geht. Und das ist
in der Tat der Fall. Die Leiterin des Bertha-Bruch Tierheimes, die
letztes Jahr für ihren unermüdlichen Einsatz mit der
Bundesverdienstmedaille aus-gezeichnet wurde, bekommt ungewöhnliche
Unterstützung. Das Saarbrücker Unternehmen "Werbe-Fabry"
finanziert und organisiert den größten Spendenaufruf in der Geschichte
von Webers Verein. Gestern wurden die ersten 200 von insgesamt 400
Plakaten angebracht.
Unter
dem Slogan "Wir brauchen Dich" soll ein trauriges Duo, Hund
und Katze, vor gelbem Hintergrund die Passanten zum Griff in die
Brieftasche animieren. Auch die Paradestücke unter den Werbeträgern
der Güdinger Agentur, die Solar-Plakatsäulen an den zentralsten
Punkten Saarbrückens, werden mit diesen Postern bestückt. Hinter so
viel Einsatz für unsere vierbeinigen Freunde steht natürlich eine persönliche
Geschichte: die von Maria Schreier. Sie feiert dieses Jahr ihren 76.
Geburtstag und leitet seit 1970 die Werbeagentur. Schon lange unterstützt
sie - neben anderen wohltätigen Organisationen - auch den Saarbrücker
Tierschutzverein.
Vor kurzem beschloss Schreier, mit Firmenmaterial und
auf eigene Kosten, eine größere Aktion für einen guten Zweck
anzuleiern. Ein Kollege erinnerte sie ans Tierheim, und die Chefin war
sofort begeistert: "Das ist mir ja eigentlich wie auf den Leib
geschnitten." Als Schreier jung verheiratet war - "so etwa
1950" - brachte ihr Mann eines Tages ein flauschiges, kleines Bündel
mit nach Hause und deponierte es vorsichtig auf dem Küchenboden.
"Als sich das Bündelchen plötzlich bewegte, hab´ ich fast
erschrocken gerufen: Ei, das ist ja ein Hund", erinnerte sich
Schreier. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seither ist sie nie mehr
ohne Hund gewesen. Ihr aktueller vierbeiniger Gefährte heißt Felix. Er
steht seinem Frauchen bereits seit zehn Jahren treu zur Seite. Die
Chefin ist sicher, dass sie ihren vierbeinigen Freunden nicht nur viele
glückliche Stunden, sondern auch ein Gutteil ihrer Gesundheit verdankt:
"Schließlich habe ich mir mit den Hunden fast den ganzen Saarbrücker
Wald erwandert."
Schreier
hält Plakate für ein sehr wirksames Werbemittel und hofft, dass sich künftig
auch andere Betriebe für das Tierheim engagieren. Um "schon mal ein
Grundstock zu legen", folgt Maria Schreier als Erste ihrem
Spendenaufruf und überweist 10 000 DM. Für Ingrid Weber ist das
wie "Weihnachten mitten im September". Sie habe "noch nie
so ein schönes Geschenk für das Tierheim" entgegen genommen. Das
Asyl für heimatlose und gequälte Tiere kann jeden Pfennig gut
gebrauchen. Allein für Medikamente und ärztliche Betreuung der
Heimbewohner waren letztes Jahr 112 000 Mark fällig. 31 000 Mark kostet
es die hungrigen Mäuler zu stopfen und 21 000 Mark die streunenden Katzen
zu kastrieren. So läppert sich fast ein halbe Million Mark zusammen. Und
die ehrenamtlichen Helfer arbeiten jedes Jahr rund 20 000 Stunden für die
Tiere. Die Stadt Saarbrücken bezuschusste das Bertha-Bruch-Heim im Jahr
2000 mit 79 000 Mark. Die Beiträge aller übrigen Stadtverbandsgemeinden
plus der Hilfe aus St. Ingbert machen zusammen knapp 8 000 Mark aus. Auch
Ingrid Weber arbeitet natürlich rein ehrenamtlich für das Tierheim -
etwa 50 Stunden pro Woche.
Serge
Gadatsch (SZ) |